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\begin{document}

  \section{Antworten auf häufig gestellte Fragen}

  \begin{multicols}{2}

    \subsection{Investitionsschutz}

    \ffrage{Ist Patentschutz denn nicht notwendig, um seine
    Investitionen vor Abschreibern zu schützen? Ohne
    Investitionsschutz gibt es keinen Fortschritt!}

    Das Urheberrecht ist der perfekte Investitionsschutz für
    Software.    

    Das Urheberrecht hat sich in den letzten 20 Jahren als Motor der
    Software-Branche bewährt. Es funktioniert bei Software sogar
    besser als beispielsweise bei Büchern. Dies hängt damit
    zusammen, daß bei Software eine Trennung zwischen bearbeitbarem
    Quelltext und ausführbarem Binärcode möglich ist.

    Software-Patente hingegen werden in der derzeit -- z.\,B.\ in
    den USA -- herrschenden Praxis durchweg strategisch eingesetzt.
    Als Investitionsschutz für Software sind sie zu schwerfällig,
    denn sie erzeugen Wartezeiten von sechs Monaten bis zu mehreren
    Jahren sowie Kosten im fünfstelligen Euro-Bereich. Das
    Urheberrecht hingegen wirkt automatisch und sofort.

    Es mag einzelne Firmen geben, die sich Vorteile von
    Software-Patenten versprechen, aber niemand kann ernsthaft
    behaupten, Software-Patente seien der Industrie insgesamt
    förderlich.

    \frage{Wenn ein Entwickler viel Zeit in einen bahnbrechenden
    Algorithmus hineingesteckt hat, ist es dann nicht angemessen,
    ihn durch ein Patent zu belohnen?}

    Der Entwickler kann -- mit dem Urheberrecht als
    Investitionsschutz -- seine Entdeckung in Software umsetzen.
    Dies hat in der Vergangenheit sehr gut funktioniert.

    Ein potentieller Nachahmer, der das Original nur als
    ausführbaren Binärcode, nicht jedoch als Quelltext kennt, muß
    sich genau dieselbe Arbeit machen, wie der ursprüngliche
    Entwickler. Mit welcher ökonomischer oder moralischer Begründung
    sollte man ihm das verbieten dürfen?

    Der kleine Erfinder, der durch ein Patent auf seine harte Arbeit
    Wohlstand erlangt, ist übrigens nicht viel mehr als ein schönes
    Märchen. In der harten Realität nutzen die größten Konzerne der
    Welt Patente im Hunderterpack als Waffen gegeneinander und gegen
    kleinere, flexiblere Konkurrenten.

    \subsection{Derzeitige Situation}

    \ffrage{Ich lese hier immer "`europäische Software-Patente"'.
    Ich dachte, die gäbe es noch gar nicht, sondern sie sollen erst
    eingeführt werden?}

    Ca.\ 30\,000 europäische Software-Patente sind entgegen
    geltendem Recht erteilt worden. Hier weicht die Praxis der
    Rechtsprechung ("`Status Quo"') stark von der aktuellen
    Rechtslage (Art.\ 52 EPÜ) ab.

    \frage{Die europäischen Patentämter und Gerichte sind nicht dumm
    und werden in der Lage sein, Trivialpatente abzuwehren und den
    ehrlichen Unternehmer gegen absurde Forderungen zu verteidigen.}

    Die europäischen Patentämter \emph{haben bereits} tausende von
    Trivialpatenten erteilt, darunter z.\,B.\ das Patent Nr.\
    EP\,394160 auf den Fortschrittsbalken oder das Patente Nr.\
    DE\,10108564 auf den Empfang von E-Mail -- und das, obwohl die
    derzeitige Rechtslage (Art.\ 52 EPÜ) Software-Patente eindeutig
    verbietet.

    Selbst wenn wir davon ausgehen, daß die europäischen Gerichte
    genügend Sachkenntnis besitzen, um einen gezielt mit
    Computer-Fachbegriffen argumentierenden Patentanwalt zu
    durchschauen, genügt in der Praxis meistens schon die
    \emph{Androhung} eines Gerichtsverfahrens mit siebenstelligem
    Streitwert, um ein kleineres bis mittleres Unternehmen oder gar
    einen Einzelentwickler zum Aufgeben zu zwingen.

    Die in den USA bereits laufenden Gerichtsprozesse zeigen
    eindrucksvoll, wohin die derzeitige Entwicklung führt. Unsere
    einzige Chance besteht darin, den Gerichtsprozessen erst gar
    keine Grundlage zu geben, also das derzeitige Recht
    beizubehalten.

    \frage{Gibt es überhaupt eine Aussicht, Software-Patente in
    Europa aufzuhalten? Ich habe gehört, deren Einführung sei längst
    beschlossene Sache.}

    Dieses Gerücht wird zwar von einigen
    Software-Patent-Befürwortern gerne immer wieder verbreitet,
    trifft aber trotzdem nicht zu. Die Ausschüsse für Kultur und
    Industrie haben sich eindeutig gegen die Ausweitung der
    Patentierbarkeit auf Software ausgesprochen und deutliche Kritik
    am Richtlinienentwurf geäußert. Der Rechtsausschuß hingegen
    setzt sich für den Richtlinienentwurf ein, der Patente auf
    Software und Geschäftsmethoden durch die Hintertür einführt.
        
    \strong{Es ist noch nichts entschieden!}

    Was hingegen stimmt, ist, daß nicht mehr viel Zeit bleibt, seine
    Interessen in den Entscheidungsprozeß einzubringen. Es muß
    \emph{jetzt} gehandelt werden.

    \frage{Ist die Schlacht nicht längst gewonnen? Die
    Bundesregierung spricht sich doch dafür aus, den Status Quo zu
    erhalten und keine Ausweitung der Patentierbarkeit zuzulassen.}

    Mit "`Status Quo"' meint die Bundesregierung erklärtermaßen die
    Praxis der aktuellen Rechtssprechung, und die beinhaltet ca.\
    30\,000 europäische Software-Patente, wovon die allermeisten
    Trivialpatente sind (siehe unten). Dieser "`Status Quo"' braucht
    nicht weiter ausgeweitet zu werden: Es genügt, ihn zu
    legalisieren, um bei uns gleiche Verhältnisse zu erzielen, wie
    sie bereits jetzt in den USA herrschen.

    Anders sähe die Situation aus, wenn sich "`Status Quo"' auf die
    Rechtssituation -- Art. 52 EPÜ -- beziehen würde, die
    Software-Patente eindeutig verbietet. Dies ist jedoch nicht der
    Fall.

    \subsection{Trivialpatente}

    \ffrage{Wäre es nicht sinnvoller, das Problem der Trivialpatente
    mittels der Erfindungshöhe zu lösen, anstatt Software-Patente
    generell verhindern zu wollen?}

    Sämtliche bisherigen Erfahrungen sprechen dafür, daß ein
    derartiger Lösungsansatz nicht funktionieren wird.

    Allein die in Europa bereits erteilten Software-Patente zeigen
    eindrucksvoll, daß die Patentämter nicht in der Lage sind,
    Trivialpatente zu verhindern. Die oft behauptete bessere
    Qualität europäischer Patentprüfungen im Vergleich zu
    amerikanischen ist reines Wunschdenken.

    \frage{Sind Trivialpatente denn nicht die Ausnahme?}

    Sie sind die Regel. Wenn Sie sich mit der Programmierung von
    Software auskennen, sollte es Ihnen leicht fallen, sich davon
    selbst zu überzeugen:

    Unter \url{http://swpat.ffii.org/patente/txt/} hat der FFII
    10\,000 von insgesamt ca.\ 30\,000 europäischen
    Software-Patenten dokumentiert. Greifen Sie ein beliebiges von
    diesen Patenten heraus, lesen und verstehen Sie die Ansprüche
    und urteilen Sie selbst:
    \begin{itemize}
      \item
        Auf wie hoch schätzen Sie den Aufwand, von der
        Problemstellung zu der patentierten Lösungsidee zu gelangen,
        verglichen mit dem Aufwand, die Patentschrift zu lesen?
      \item
        Für wie wahrscheinlich halten Sie es, daß ein Programmierer
        das ihm unbekannte Patent durch reinen Zufall verletzt?
      \item
        Wenn ein Kunde Sie mit der Lösung desselben Problems
        beauftragen würde, für wie wahrscheinlich halten Sie es, daß
        Ihre unabhängig entwickelte Lösung das Patent verletzen
        würde?
    \end{itemize}

    Für einen kleinen Teil dieser Patente liegen bereits
    allgemeinverständliche Kurzbeschreibungen vor.
%    -- siehe Seite \pageref{muster}ff.

    Anmerkung: Das eigentliche Ziel von Patenten soll die
    Dokumentation von Wissen in den Patentschriften sein. Es sei an
    dieser Stelle darauf hingewiesen, daß die in Patentschriften
    vorgenommene "`Dokumentation von Wissen"' für Programmierer
    völlig wertlos ist.

    \subsection{Software-Patente und Freie Software}

    \ffrage{Haben sich in einem Brief vom 22.\,4.\,2003 nicht sogar
    Vertreter der Freien Software für Software-Patente
    ausgesprochen?}

    Unter den Unterzeichnern des Briefes befindet sich eine
    Organisationen, die für sich in Anspruch nimmt, 500 Unternehmen
    aus dem Umfeld der Freien Software zu vertreten. Diese
    Organisation ist den \emph{wirklichen} Vertretern der Freien
    Software in Europa -- FSF Europe, Linux-Verband, usw --
    \emph{nicht} bekannt und hat von diesen \emph{kein} Mandat
    bekommen.

    \frage{Wäre es nicht sinnvoller, eine Ausnahmeregelung für Freie
    Software zu erwirken, anstatt Software-Patente generell
    verhindern zu wollen?}

    Eine solche Ausnahmeregelung käme einem generellen Verbot von
    Software-Patenten gleich, denn Freie Software darf sehr wohl
    kommerzielle Software sein. Die Befürworter von
    Software-Patenten wissen dies genau und versuchen, dieses
    Mißverständnis dahingehend auszunutzen, daß es höchstens eine
    Ausnahmeregelung für nichtkommerzielle Software geben wird.
    Damit wäre aber nichts gewonnen, denn ein Patent betrifft
    ohnehin nur die kommerzielle Nutzung einer Idee. Die Möglichkeit
    zur kommerziellen Nutzung ist jedoch eins der wesentlichen
    Merkmale von Freier Software.

    \frage{Einige Freie-Software-Projekte werden nichtkommerziell
    entwickelt. Sind diese dann überhaupt durch Patente angreifbar?}

    Ja. Der Patentinhaber kann damit argumentieren, daß ihm durch
    die Existenz der Freien Software kommerzieller Schaden zugefügt
    wird.

    Gerade bei nichtkommerzieller Entwicklung genügt oft auch die
    Androhung rechtlicher Schritte, um die Entwickler zur Aufgabe
    des Projekts zu zwingen, da für einen Gerichtsprozeß keine
    Mittel zur Verfügung stehen.

    \frage{Ist Software, die im Quelltext verbreitet wird, denn
    überhaupt durch Patente angreifbar? ("`Quelltextprivileg"')}

    Nach dem Richtlinienentwurf der EU-Kommission vom 20.\,2.\,2002
    ist Software erst in dem Moment durch Patente angreifbar, wenn
    sie auf einem Rechner ausgeführt wird -- also nicht beim Autor,
    sondern erst beim Kunden. Dies nützt mir als Autor allerdings
    wenig, denn mein Kunde wird mich für eventuelle Patentansprüche
    Dritter zur Rechenschaft ziehen.

    Ein neuer Richtlinienentwurf des Europäischen Rates vom
    8.\,11.\,2002 enthält einen neuen Artikel, demzufolge bereits
    ein Programmquelltext eine Patentverletzung darstellen kann.

    \frage{Wenn Software-Patente für Freie Software so schädlich
    sind, wie kommt es dann, daß die Freie Software auch in Ländern,
    in denen es Software-Patente gibt, wächst und gedeiht?}

    Der große Erfolg der Freien Software täuscht leicht über den
    durch Software-Patente bereits angerichteten Schaden hinweg. Bei
    einigen der unter \url{http://swpat.ffii.org/patente/wirkungen/}
    beschriebenen Projekte, die wegen eines Software-Patents
    aufgegeben werden mußten, handelte es sich um Freie Software.

    Solange es in Europa offiziell keine Software-Patente gibt,
    halten sich darüberhinaus viele Patentinhaber mit Klagen zurück,
    da eine Welle von Gerichtsprozessen der europäischen
    Software-Patent-Debatte neuen Zündstoff geben würde.

    \frage{Kann man Software-Patenten nicht ausweichen, indem man
    alternative Verfahren nutzt? Zum Beispiel Ogg/Vorbis statt MP3?}

    In manchen Bereichen ist das tatsächlich möglich. Die
    Ogg-/Vorbis Entwickler haben Patentrecherchen vorgenommen und
    gehen davon aus, daß ihr Format keine Patente in den USA
    verletzt. Es gibt allerdings auch Bereiche, in denen die Patente
    so zentral und breit sind, daß eine Umgehung nicht möglich ist
    (z.\,B.\ Panorama-Bilder).

    Allerdings kann man niemals sicher sein: Patentrecherchen sind
    unzuverlässig. Auch von JPEG hat man viele Jahre lang geglaubt,
    es sei nicht von Patenten betroffen. Darüber, ob dies nun
    vielleicht doch der Fall ist, muß noch vor Gericht entschieden
    werden.

    Darüberhinaus ist es immer ein Wettbewerbsnachteil, ein
    Datenformat, das sich als De-facto-Standard etabliert hat,
    umgehen zu müssen. Gerade auf dem Software-Sektor ist
    Interoperabilität oft das A und~O.

    \subsection{Lösungsvorschläge}

    \ffrage{Wäre es nicht ein sinnvoller Kompromiß, Software-Patente
    nur für fünf Jahre zu gewähren?}

    Eine kürzere Patentdauer würde natürlich die Dauer der
    Schadwirkung verkürzen.

    Dies ist allerdings nach internationalem Recht nicht zulässig:
    Das TRIPS-Abkommen schreibt als Maximaldauer für Patente
    mindestens 20 Jahre vor.

    \frage{Und was sollte nun Ihrer Meinung nach geschehen?}

    Da Software-Patente nachgewiesen negativ auf die Wirtschaft
    wirken, sollten sie grundsätzlich nicht vergeben werden. Eine
    Überarbeitung der Patentgesetzgebung sollte das klar stellen. In
    der Praxis ist dazu eine engere Formulierung des
    "`Technik"'-Begriffs notwendig.

    Allen bisherigen Richtlinienentwürfen fehlte eine solche klare
    Definition des Begriffs "`Technik"' -- und damit eine klare
    Abgrenzung dessen, was patentierbar sein soll und was nicht.

    Der FFII hat einen Gegenvorschlag zum Richtlinienentwurf
    ausgearbeitet, der diese Mängel behebt. Als Technikbegriff wird
    hier das "`Rote Taube"'-Urteil des deutschen Bundesgerichtshofs
    zugrundegelegt. Dieser Gegenvorschlag könnte als Ausgangspunkt
    für einen neuen Richtlinienentwurf dienen.

    Wie auch immer ein neuer Richtlinienentwurf aussehen wird: Seine
    Auswirkungen sollen unter Software-ökonomischen Gesichtspunkten
    anhand von \emph{Beispielpatenten} gemessen werden.

    \frage{Und wie kann man das erreichen?}

    Die Entscheidung des EU-Parlaments soll am \emph{ 24. September
    2003} fallen.

    Bitten Sie Ihre Interessenvertreter, die Argumente des FFII
    anzuhören und in der Entscheidung zu berücksichtigen! Das
    EU-Parlament stellt die Kontaktdaten öffentlich zur Verfügung.
    Als Unterstützer des FFII haben Sie darüberhinaus Zugriff auf
    die Kontaktdaten des FFII.

    Bitten Sie Ihre Interessenvertreter, gegen den aktuellen
    Richtlinienentwurf zu stimmen, da er Software-Patente "`durch die
    Hintertür"' legalisiert.

    Als Betroffene müssen wir uns \emph{jetzt} für unsere Interessen
    einsetzen, anstatt das Feld den Patent-Abteilungen weniger
    Großunternehmen zu überlasen, die "`im Namen der
    Software-Industrie"' vom EU-Parlament die Einführung von
    Software-Patenten fordern.

  \end{multicols}

  \subsection*{Weitere Informationen im Internet:}

  \begin{itemize}
    \item
      Einführung zum Thema "`Software-Patente"':
      \url{http://patinfo.ffii.org}
    \item
      Umfassende Dokumentation:
      \url{http://swpat.ffii.org}
  \end{itemize}

\end{document}
